Herbergsuche

Schwangere Frauen und Alleinerzieherinnen finden oft keine Wohnung: Eine Herausforderung für die Politik und Anlass für eine zwischenmenschliche „Klimaerwärmung“.

Hl. Familie - aktion leben tirol

In den Tagen um den 4. Adventsonntag hat bei Adventfeiern und auch in der Kirche das Lied von der Herbergssuche seinen festen Platz. Wer hat nicht schon selber das „Wer klopfet an?“ mitgesungen oder sich beim Zuhören über die Hartherzigkeit des abweisenden Wirtes empört?
Wie leicht ist es, sich mit der schwangeren Frau zu identifizieren, die bald gebären wird. Sie ist angewiesen auf das Verständnis und das Entgegenkommen des Wirtes. Was sie braucht, steht außer Diskussion, es geht um einen menschenwürdigen Ort, an dem sie ihr Kind zur Welt bringen kann. Freilich, durch die Volkszählung sind die Quartiere ausgebucht. Ob da ein letztes Plätzchen gerade einer Hochschwangeren zugeteilt wird? Die Scherereien mit der Geburt, die Störung der Gäste und die Unsicherheit, ob die Durchreisenden überhaupt bezahlen können? Im Kerzenlicht des adventlichen Kirchenraumes öffnet sich das Herz weit für Maria, die man selbstverständlich nicht abweisen würde.

Wer klopfet an? An der Tür der Lebensschutzorganisation „Aktion Leben“ in Innsbruck sind es immer mehr Frauen, die bald „gebären sollen“ und Unterkunft für sich und ihr Kind suchen. Oft haben sie in einer Partnerschaft gelebt, doch die Überraschung des ungeplanten Kindes hat die Lebens- und Wohngemeinschaft gesprengt. Plötzlich allein auf Wohnungssuche, kann aufgrund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten nur ein Zimmer oder eine Kleinstwohnung gemietet werden.
Selbst wenn durch eine ungeplante Schwangerschaft die Beziehung nicht zerbricht, können die plötzliche Arbeitslosigkeit oder Krankheit des Partners das Existenzgebäude zum Einsturz bringen: Mietrückstände und Schulden sammeln sich an, die Delogierung droht, wohin mit dem Kind? Gerade in der Stadt ist das Angebot auf dem freien Wohnungsmarkt teuer und knapp. Und viele Vermieter machen auch kein Hehl daraus, dass sie nicht an Alleinerziehende vermieten wollen. Oft ist die Sozialeinrichtung DOWAS (Durchgangsort für Wohnung und Arbeit suchende Frauen) zwar keine feste Bleibe, aber wenigstens ein „Stall“, in dem der Atem einer Grundversorgung Mutter und Kind vorübergehend wärmt.

Es ist äußerst berührend, wenn schwangere Frauen erzählen, dass für sie trotz widriger Umstände eine Abtreibung nicht in Frage gekommen ist. Es gibt aber auch viele Frauen, denen der Berg der Belastungen den Ausblick auf eine gangbare Zukunft mit Kind verstellt. Was würde ihnen helfen, Ja zum Kind zu sagen? Sicher auch die Gewissheit einer Wohnmöglichkeit. In einer - immer noch - Wohlstandsgesellschaft, in der die Geburtenzahlen rückläufig sind, ist es ein Armutszeugnis für „Vater Staat“, nicht besser für die Bedürfnisse seiner Kinder zu sorgen. Aber Staat und Gesellschaft sind wir alle. Und um beim Bild der Herbergssuche zu bleiben, stecken wir vermutlich öfter als wir meinen in der Rolle des abweisenden Wirtes. Das „So schert euch fort, ihr kommt nicht rein!“ kann sich auch atmosphärisch im Umgang mit jungen Menschen und mit Alleinerzieherinnen finden oder in der Trägheit, einschlägige politische Entscheidungen einzufordern. In der Geborgenheit des adventlichen Kirchenraumes werde ich, spätestens bei der musikalischen Herbergssuche, Kontakt zum Wirt in mir aufnehmen.

Dr. Elisabeth Pauer, Beraterin bei aktion leben tirol
Advent 2013

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