Sterben entzweit

Der von der Österreichischen Volkspartei eingebrachte Vorschlag, das Verbot aktiver Sterbehilfe auch in der Verfassung zu verankern, hat eine Debatte um Selbstbestimmung am Lebensende ausgelöst.

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In den Benelux-Ländern und in der Schweiz gibt es sie schon, die erlaubte aktive Sterbehilfe, bzw. den begleiteten Selbstmord. Unheilbar Kranke, die Angst und Schmerzen nicht mehr ertragen wollen, können sich nach schriftlicher Einwilligung von einem Arzt ein tödliches Medikament verabreichen lassen.

„Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben“ und „Sterben in Würde“ sind die Schlagworte einer in Österreich derzeit heftig geführten Diskussion. Dabei wird gern am Beispiel Prominenter Stimmung für den sogenannten „selbstbestimmten Tod“ gemacht. Die Frage, ob Leiden bis zum natürlichen Ende sinnvoll sei und ob Staat und Religion denn das Recht haben, in die persönliche Autonomie des Menschen einzugreifen, suggerieren beinahe das „Nein“ der aufgeklärten Bürger in einer pluralistischen Gesellschaft. Vermeintliche Toleranz und Menschenfreundlichkeit kaschieren als Schafspelz das Wölfische einer Anspruchshaltung, welche die Kontrolle über das Leben und die Definition von dessen Wert einfordert.

„In der Öffentlichkeit ist viel zu wenig bekannt, was im Sterben wirklich geschieht. Die organisierte Suizidbeihilfe ist ein Eingriff in das Geheimnis jedes Menschen“ sagt Monika Renz, Sterbeforscherin, Musik- und Psychotherapeutin, Theologin und Leiterin der Psychoonkologie am Kantonsspital St. Gallen/Schweiz in einem Zeitungsinterview. Über 1000 Sterbende hat sie bereits begleitet und kommt zu dem Resümee, dass im Sterbeprozess etwas Geheimnisvoll-Wunderbares durchlebt wird: „Das Ich stirbt in ein Du hinein. Das ist einer meiner zentralen Sätze.“ Monika Renz beschönigt nicht, dass dieser Prozess oft durch Angst und Schmerz führt, aber gerade in diesem „Durchgang“ geschehen innerliche Veränderungen, die Menschen in einen Zustand tiefster Identitätserfahrungen führen. Dieses wichtige Beziehungsgeschehen am Lebensende in der öffentlichen Debatte nicht zu thematisieren, beschreibt Monika Renz als Mangel. Als Folge werden Leiden und Sterben nur noch als Sinnlosigkeit verstanden: „Tabuisiert ist heute nicht mehr das Sterben, sondern das Leiden.“ Diesem auszuweichen kommt einem Verlust an Empfänglichkeit für Beziehungen, Gefühlen und Spiritualität gleich.

Schmerzen zu lindern und umfassend beizustehen sind die fundamentalen Anliegen von Palliativmedizin und Hospizbewegung. Erfahrungen aus diesen Bereichen zeigen, dass Menschen, die am Lebensende helfende Nähe erfahren, kaum Todeswünsche äußern. In eine „Kultur des Sterbens“ zu investieren müsste daher der dringlichere (gesellschafts)politische Appell sein, als die Beihilfe zum Selbstmord zu fordern. Mit seiner Aussage, dass gerade gebildete, selbstbestimmte Menschen diese Form in Anspruch nehmen, weil sie abwägen, dass z.B. die Kosten für ihre Pflege der Ausbildung der Enkel zugute kommen würden, hat Ludwig Minelli, Chef von „Dignitas“, einer Schweizer Sterbehilfeorganisation, in einer Fernsehdiskussion das Gefährliche der Suizidbeihilfe unfreiwillig entlarvt. Aus der „Freiheit“ kann schnell ein Druck werden, nicht mehr „Funktionstüchtiges“ zu beseitigen. Die „Würde des Sterbens“ wird jedoch an der Würde als dem Unantastbaren im Menschen zu messen sein.

Dr. Elisabeth Pauer, Jänner 2014

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