aktion leben-Tagung zu Pränataldiagnostik: Eltern besser unterstützen

Die Tagung der aktion leben österreich zu Pränataldiagnostik zeigte: Angebote für Eltern in der Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch nach einem auffälligen Befund müssen dringend weiter ausgebaut werden. Mehr Wissen und mehr Unterstützung sind nötig, um auch die Möglichkeit des Weitertragens todkranker Kinder und des Lebens mit einem behinderten Kind als Alternative zum Schwangerschaftsabbruch vorstellbar zu machen.

Wie können werdende Eltern bestmöglich begleitet werden, die vor der Entscheidung für oder gegen Pränataldiagnostik stehen oder einen auffälligen Befund für ihr Kind bekommen haben? Was gibt Halt und Sicherheit? Dies waren die zentralen Fragen der Tagung „Pränataldiagnostik sicher verunsichert?!" der aktion leben österreich am 25.9.2019 in Wien.

Leuchtturmprojekte für Begleitung von Eltern

„Bei der gestrigen Tagung wurde klar, dass in den vergangenen 20 Jahren nicht nur die Pränataldiagnostik weiterentwickelt wurde, sondern auch die Begleitung von Eltern in der Situation. Es gibt Modelle guter Begleitung in spezialisierten Beratungsstellen wie jener von aktion leben österreich oder am AKH. Es gibt Modelle dafür, wie Eltern im Schock einer auffälligen Diagnostik aufgefangen und begleitet werden können", zeigt sich Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin von aktion leben, vorsichtig optmistisch.

Um alle Eltern zu erreichen, sei dennoch noch ein langer Weg zu gehen: „Es gibt Leuchtturmprojekte. Es ist aber keinesfalls gesichert, dass betroffene Eltern davon erfahren", betont Kronthaler. Vielfach beraten nur die Ärztinnen und Ärzte, dies aber oft unter großem Zeitdruck und auch nicht entsprechend ausgebildet. „Es wurde klar, wie wichtig die psychosoziale Beratung in dem Bereich ist. Sie ermöglicht in Kontakt mit dem ungeborenen Kind zu treten, Informationen aufnehmen und verarbeiten zu können, alle Möglichkeiten abwägen zu können - ohne Zeitdruck!"

Fünf Forderungen an die Politik

Im Eindruck der Referate über die aktuellen Entwicklungen in der Pränatalmedizin, der Beratungs-Situation und den Unterstützungsmöglichkeiten für Eltern behinderter Kinder formulierten die TeilnehmerInnen folgende Forderungen an die Politik:

  1. Gute Begleitung von Eltern darf kein Zufall mehr sein: Ausbau und Finanzierung spezialisierter, bindungsorientierter, ergebnisoffener, psychosozialer Beratungsstellen für schwangere Frauen und werdende Väter, die auch speziell bei auffälligen Befunden beraten können. Hinweis darauf im Mutter-Kind-Pass. Finanzierung von PsychologInnen an Pränatalzentren und Orientierung an Modell-Einrichtungen wie aktion leben.
  2. Massiver Ausbau von Therapieplätzen für Kinder: Es fehlen rund 60.000 Therapieplätze für Kinder jährlich. Bewusstseinsbildung über die Folgekosten, wenn Kinder oft monate- oder Jahrelang auf Therapien warten müssen.
  3. Entlastung von Eltern von behinderten Kindern durch Ent-Bürokratisierung: Einrichten einer Anlaufstelle für Eltern mit behinderten Kindern nach dem One-Desk-Prinzip, wie schon oft im Regierungsprogramm angekündigt.
  4. Ausbau von Palliativstationen für Kinder und Information von ÄrztInnen und Eltern über Möglichkeiten der palliativen Betreuung von Kindern, die nach der Geburt versterben.
  5. Transparenz als Voraussetzung für Entscheidungsprozesse herstellen: Es fehlen verfügbare Zahlen, Daten, Fakten über Anzahl von pränataldiagnostischen Untersuchungen, auffälligen Befunden, erfolgten Therapien und deren Verlauf, Schwangerschaftsabbrüchen.

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