Verkürzter Feminismus

Ist Abtreibung ein Frauenrecht? Professionelle Schwangerenberatung kann helfen, eingeengte Blickwinkel zu weiten, Alternativen zu finden oder den Abschiedsprozess zu begleiten.

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Während der derzeitigen Renovierungsarbeiten an der Fassade des Innsbrucker Domes hängt über dem Eingang ein Staubschutznetz. Mit pinken Kreuzstichen ist darin der Satz: „Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist" eingestickt. Diese Installation der Tiroler Künstlerin Katharina Cibulka setzt ihr Kunstprojekt „SOLANGE" fort, in dem sie sich mit dem Thema Gleichberechtigung beschäftigt.

Es ist eine beschämende Tatsache, dass Frauen noch immer in verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen benachteiligt werden. In Österreich hat Anfang Oktober ein zweites Frauenvolksbegehren (nach jenem von 1997) stattgefunden. Darin wurde u.a. neben der Beseitigung von Einkommensunterschieden, der Armutsbekämpfung und der Forderung nach einem stärkeren Gewaltschutz für Frauen auch das „Recht auf Selbstbestimmung" gefordert. Zu diesem Recht soll auch der kostenfreie Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch zählen.

Ich habe den Eindruck, dass sich seit Einführung der Fristenlösung in Österreich im Jahr 1975 (bis zur 12. Woche ist eine Abtreibung straffrei, später darf sie nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden) im gesellschaftlichen Bewusstsein mehr und mehr die Meinung verfestigt, dass Abtreibung erlaubt sei. Forderungen nach dem „Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen" verkürzen die Realität, dass im Falle einer Abtreibung die Frau auch über das Leben des Kindes bestimmt und verharmlosen den Eingriff. Diskussionen über das Thema Abtreibung führen meistens zu einer Spaltung in ein Lager der Gegner (Rücknahme der Gesetzesregelung, oft militantes Vorgehen gegen Frauen vor Abtreibungsambulatorien) und jenes der Befürworter (Verharmlosung der Abtreibung als „Recht" der Frau).

Zwischen diesen Positionen spannt sich die ganz konkrete und meist beinharte Wirklichkeit von Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind, auf: Ob Versagen der Verhütung, deren leichtfertige Unterlassung oder sexuelle Nötigung – eine ungeplante Schwangerschaft stürzt Frauen in eine schwere Krise. Oft sind es unsichere familiäre Bindungen und berechtigte existentielle Ängste, die es Frauen verunmöglichen, Ja zum neuen Leben zu sagen. Kürzungen bei den Sozialleistungen und ein angespannter Wohnungsmarkt sind weitere oft genannte Gründe für die Überforderung wie auch psychische Instabilität, mangelnde Unterstützung durch den Partner oder durch die Herkunftsfamilie.

Was Frauen in solchen Situationen brauchen? Einen (inneren und äußeren) Raum, wo sie mit allen widersprüchlichen Gefühlen und Argumenten Platz nehmen dürfen, ohne dass Druck auf sie ausgeübt wird. Professionelle Schwangerenberatung begleitet einfühlsam und leuchtet mit der Klientin auch Möglichkeitsnischen aus, die ein krisenbedingter Tunnelblick oft nicht mehr wahrzunehmen vermag. Auf diesem neuen, auch durch konkrete Informationen besser abgestützten Boden wird die Frau die für sie mögliche und zu verantwortende Entscheidung treffen.
Im Umgang mit dem Thema Abtreibung tun Frauen ihren Geschlechtsgenossinnen keinen guten Dienst, wenn sie ausblenden, dass der Eingriff ein einschneidendes körperliches und seelisches Ereignis mit unterschiedlichsten (Spät)folgen ist. Solange Frauen die Abtreibung auf ein „Recht der Frau" reduzieren, bin ich keine Feministin.


Dr. Elisabeth Klotz-Pauer
Schwangerenberatung aktion leben tirol

Dieser Artikel erschien im Katholischen Sonntagsblatt, Kirchenzeitung der Diözese Bozen-Brixen, Ausgabe vom 4.11.2018

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