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Gedanken einer vierfachen Mutter zum "Internationalen Frauentag"

Meine Lieben,

Da wurde ich also gebeten, über den Frauentag aus meiner Perspektive zu schreiben. Tausend Fragen drängen sich sofort auf... meiner üblichen Vorgehensweise folgend (und tatsächlich schäme ich mich diesmal dafür) kommt als erstes das Unvermeidliche... grrrr... ich "google"... Was ist eigentlich Frauentag? Wann ist eigentlich Frauentag? Und vor allem: Wieso weiß ich das alles nicht?

Schnell finde ich Antworten auf Frage 1 und 2 (wenn es euch ähnlich gehen sollte, hilft Wikipedia gerne weiter;). Aber die bedrückende Frage Drei, nach meinem Unwissen, ist so einfach leider nicht einmal im WorldWideWeb zu finden. Dafür muss ich gedanklich wohl ein wenig ausholen.

Ich, mittlerweile 36 Jahre alt, Mutter von 4 prächtigen Söhnen zwischen 10 und 1, seit 10 Jahren (meistens) glücklich verheiratet, zufriedene Hochschulabbrecherin mit Zukunftsplänen ungewisser Natur, hocherfreut wieder in der prächtig(st)en Alpenstadt zu wohnen, Tochter liebevoller Eltern, stolze Schwester, UND nicht eben nur auch, sondern ganz besonders FRAU. Frau-Sein hat mich in all den Aufgaben, die mein Leben mir gebracht hat geprägt, beeinflusst und geleitet. Wenn ich von wenigen Momenten als kleines Mädchen absehe, war ich auch wirklich immer gerne eine FRAU. Ich würde sogar einen Schritt weitergehen und behaupten, ich würde niemals, nie und unter keinen Umständen tauschen. Frau sein gibt so viel mehr Möglichkeiten... und nicht nur im physiologischen Sinn sehe ich "uns" Frauen im Vorteil. Kinder in uns tragen, Gebären, Stillen,... diese offensichtlichen Teile mancher Frauenleben sind nur ein Teil dessen, was uns Frauen möglich sein kann. Wir dürfen weinen, andere Frauen und Männer in der Öffentlichkeit küssen, lange Haare, kurze Haare haben, Hosen und Kleider tragen,... und während ich mir über diese unwichtigen "Rechte" Gedanken mache, drängen sich natürlich die Wichtigen vor... doch selbst da, außer von Religionen bestimmten Einschränkungen, fällt mir auf der Stelle nichts ein, was ich nicht machen könnte, nur weil ich eine Frau bin. (Wenn mir meine Hose nicht zu wichtig ist, könnte ich sogar im Stehen pinkeln.)
Umgekehrt jedoch fällt mir doch einiges ein, was Männern so viel schwerer fallen würde... Mir ist deutlich bewusst, dass dieses Freiheitsgefühl etwas ist, das den Frauen in der Art nicht schon immer gegeben war. Es bedurfte vieler mutiger Vorgeherinnen, um selbstverständlich wählen zu dürfen, in der Partnerschaft und in der Öffentlichkeit gleichwertig vor dem Gesetz anerkannt zu sein, in die Geschäftswelt einsteigen zu dürfen etc... auch will ich in meiner Euphorie nicht vergessen, dass selbst bei uns der Weg noch immer Steine bereithält und der Weg in vielen anderen Ländern noch schier unbegehbar scheint.

Und trotzdem oder besser genau deswegen, ist es mir ein großes Anliegen zu erkennen und zu wissen, wie unglaublich privilegiert ich lebe. Ich, die ich ein sogenanntes "traditionelles" Familienleben führe, tue dies nur, weil ich mich dafür entschieden habe. Ich bestimme die grundlegenden Rechte und Formen dieses Zusammenlebens mit und ich entscheide auch, wann ich genug davon habe und etwas daran ändern möchte. Ich DARF mich um meine Kinder und meinen Mann und unseren gemeinsamen Haushalt kümmern, weil ich es möchte. Wie so oft sind die Modalverben das Zünglein an der Waage.

Wenn ich dennoch in meiner rosaroten Regenbogenwelt kritische Worte finden wollte, wären die an meine Geschlechtsgenossinnen gerichtet: wir alle könnten uns am Tag der Frau, oder am Tag davor, danach oder einfach hin und wieder an den Ohren zupfen und unserem Gegenüber mehr Toleranz zukommen lassen. Mein Paradies erscheint manchmal schattiger, angesichts der vielen Verurteilungen allem Anderen, nicht Gleichen, gegenüber. Muslima, Frau ohne Kinder, Mutter in Vollzeitjob, Alleinerziehende, Frau, die ihre Kinder keinen/viel Zucker essen lässt, Frau die "nicht" arbeiten geht, Sozialhilfeempfängerin, Migrantin,...... an allen haben wir etwas auszusetzen und eigentlich an so vielem, dass ein "Richtig" gar unmöglich scheint. So plädiere ich hier und heute (und morgen und dort) für mehr Toleranz und Solidarität unter uns. Und weil wir Frauen so großartige Geschöpfe voller Liebe und Hingabe sind, lasst uns doch diese Toleranz auch auf die ausdehnen, die weniger Glück hatten und als Männer auf die Welt gekommen sind... Spaß beiseite: TOLERANZ ist meine Parole der Zukunft! Vielfältigkeit macht das Leben erst reich und so viel lebenswerter. Probieren wir es aus!?

Emanzipation wird am 8. März großgeschrieben und viel darüber geredet, wie wir diese weiter und vor allem besser umsetzen können. Ich möchte mich heuer am Tag der Frau bei meinen Vorreiterinnen bedanken. Denn meine Emanzipation, also meine Lösung aus einer Abhängigkeit, musste lediglich, wie bei fast allen von uns (ob Männlein oder Weiblein), als werdende Erwachsene gegenüber meinen Eltern beginnen. Ich fühle mich in allem gleichberechtigt und wenn dem einmal nicht so ist, fühle ich mich fähig und berechtigt, dafür einzutreten. Zu guter Letzt noch verstehe ich die Kritik, dass ein Frauentag auch einen Männertag als Pendant bräuchte... naja, wieso nicht? Männer: emanzipiert euch von euren veralteten Traditionen und feiert euer neues Ich als den Frauen gleichwertig. Nicht gleich, aber GLEICHWERTIG! Bis dahin überleg ich mir, ob ich nicht eventuell einfach übermorgen meinen Männern ihre Lieblingsspeisen koche und einen Toast auf sie ausbringe. Einfach so. Weil ich es will;)

Herzlichst
Eure Judith

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